Grundgedanke

Woher kommt eigentlich der Brauchtum rund um das Schützenfest? Wahrscheinlich liegt der Ursprung schon in vorchristlicher Zeit. Das Grundmotiv, das Schießen nach dem Vogel, existiert schon in germanischen Mythen und in den Märchen vieler Völker.

Warum die Schützen den Vogel vom Himmel holen

Woher kommt eigentlich Brauchtum und Schützenwesen?
Parade und Vogelschießen, Gottesdienste und Königsball, das sind seit alters her feste Bestandteile der Schützenfeste. In fast jedem Dorf und jedem Stadtteil werden sie heute noch gefeiert. Woher kommt eigentlich dieses Brauchtum? Wahrscheinlich liegt der Ursprung schon in vorchristlicher Zeit. Das Grundmotiv, das schießen nach dem Vogel, existiert schon in germanischen Mythen und in den Märchen vieler Völker.

Mit dem Aufkommen des Christentums verloren diese heidnischen Mythen ihre Bedeutung, die Figuren aber blieben erhalten.

Erste Schützengesellschaften gab es schon im 11. Jahrhundert, ihr Ursprung liegt eindeutig in den Städten, die es gegen Angreifer zu verteidigen galt. Der Schützendienst in den Gilden und Bruderschaften wurde mehr und mehr zum Wehrdienst, bis der für jeden Bürger zur Pflicht wurde. Diese Bürgermilizen wurden nicht nur im Krieg eingesetzt – sie hatten auch bei Jahrmärkten, Prozessionen oder Hinrichtungen für Ordnung zu sorgen. Für diese Dienste bedankten sich die Städte, indem sie den Schützen besondere Rechte einräumten. Die Städte waren es auch, die sich für das Zustandekommen von Schiessspielen einsetzten. Von diesen “Freyschießen” im 15. Jahrhundert führt ein direkter Weg zu den heutigen Schützenfesten.

Aus der Zeit des “Siebenjährigen Krieges” und der nachfolgenden Jahre sind aus dem Bottroper Raum Schützenlisten überkommen, aus denen mit Leichtigkeit die alte Gruppenordnung zusammengestellt werden kann. Diese Liste sieht für das Jahr 1765 folgendermassen aus: Schützenkönig war Passmann, ihm zur Seite stand der Fähnrich Paus. Witte hatte die “Rute” (Vogel mit Stange) verfertigt, Unterberg versah den Dienst eines Tambours und Grabbock den eines Pfeifers.

Vorgänger des Schützenkönigs waren Storp, Pickenbrock und Emschermann. Als Königsknechte fungierten Reibrock und Gr. Holtfort. Als Baunboten sind bekannt Dörnemann, Sandkühler, Kremer, Lugge, Flötgen, Kruse und Hegermann. Der Schützenkönig befahligte vier Korparalschaften, und zwar die 1. Korporalschaft (Welheim) mit 66 Mann (ohne Chargen) unter Gr. Kraneburg, die 2. Korporalschaft (Schlangenholt) mit 16 Mann unter Vienken, die 3. Korporalschaft (Lehmkuhle) mit 50 Mann unter Schlüter und die 4. Korporalschaft (Dorf mit Fuhlenbrock) mit 50 Mann unter Lammert.

Die Bauernboten dienten innerhalb der Korporalschaften als Melder. Dorf mit Fuhlenbrock und Welheim hatten wegen ihrer Weiträumigkeit mehrere, Schlangenholt und Lehmkuhle je einen Boten. Aufgabe der Korporalschaften war nicht nur der Kampf um die Königswürde, bei Bedarf mussten sie durch “wehrfähige Söhne und Knechte” aufgefüllt werden und wurden dann von der Obrigkeit entsprechend eingesetzt.

In dieser Zeit entstand übrigens auch die Biermarke. Wenn die Korporalschaften ihre Schützenfeste feierten, kam immer die ganze Nachbarschaft und trank das Bier weg. Um sich davor zu schützen, wurden die ersten Biermarken an die Mitglieder verteilt, damit der (Gratis-) Gerstensaft nicht mehr die falschen Kehlen herunterrinnen konnte.

Viele der oben genannten Namen sind heute noch in Flur- und Strassenbezeichnungen und im Adressbuch Bottrops zu finden, und mit der Korporalschaft Schlangenholt haben wir sicher den Urahn des Bürgerschützenvereins Bottrop-Eigen e.V. endeckt.

Von den militärischen Zwängen haben sich die heutigen Schützenvereine zum Glück befreien können. Auch der Drill, wie er in den Gründerjahren üblich war, hat sich als entbehrlich erwiesen. Es reicht gerade noch zu einem Vorbeimarsch mit Musik. Erhalten geblieben sind uns dagegen die in der Gründungsversammlung des BSV Eigen festgeschriebenen Ziele: Pflege des Brauchtums, Liebe zur Heimat, Geselligkeit und Kameradschaft, körperliche Ertüchtigung und sportlicher Wettkampf.

Wie diese Ziele heute umgesetzt werden, darüber berichten die Kompanieführer an anderer Stelle.

Quelle: Verg. WAZ Mitte 1996